Kapitel in diesem Thema:


Die Luftverkehrsteuer und Fuerteventura. Mal etwas genauer betrachtet.

Von Michael Ludwig, 26.10.2010

Jetzt, da es bei vielen schon an die Planung und Buchung des Urlaubes für das nächste Jahr geht, ist es interessant sich mit der Luftverkehrsteuer einmal etwas näher auseinander zu setzen. Oberflächlich betrachtet ist diese Steuer einfach strukturiert. Drei Steuertarife für drei Entfernungsradien, zu zahlen jeweils pro Flug - da ein normaler Urlaub aus Hin- und Rückflug besteht, zahlt man also zweimal die Luftverkehrsteuer. Auch wenn man in den Medien gerne dramatisiert und von gravierenden Preiserhöhungen für Flüge redet, so schlimm ist es nun wirklich nicht - oder möglicherweise doch...

Interessant wird es, wenn man sich die Bestimmungen zur Festlegung des Steuersatzes ansieht. Bis 2.500 km beträgt die Steuer 8,00 Euro, bis 6.000 km Entfernung 25,00 Euro, alles was weiter weg ist kostet 45,00 Euro. Jeweils pro Strecke.

Schaut man mal kurz auf den digitalen Globus, kann man - Pi mal Daumen - festlegen: Ein Flug nach Fuerteventura oder Teneriffa kostet ab 1. Januar nächsten Jahres 25,00 Euro zusätzlich. Genauso, wie ein Flug nach Hurghada am Roten Meer - so rein theoretisch.

fuerteventura fuerte blog

Da es sich aber um eine Steuer handelt, die, wie es bei Steuern so üblich ist, als primäre Aufgabe 'Verwirrung der Zahlenden' hat, ist das natürlich nicht so. Kanarenflüge kosten 8,00 Euro (Entfernung ca. 3.200 km), wohin gegen Ägypten (Hurghada, ca. 3.300 km) mit 25,00 Euro zu Buche schlägt.

Da hat Fuerteventura z.B. Glück gehabt, genau so wie der Rest der Kanaren. Von Pech hingegen können die Ägyptenurlauber reden. Im ungünstigsten Fall fliegt man weniger und zahlt mehr.

Warum ist das so? Na, ganz einfach, die Damen und Herren vom Finanzministerium berücksichtigen selbstverständlich nicht die tatsächliche Entfernung zwischen zwei Orten - das wäre nun wirklich zu kompliziert. Es wird die Entfernung vom größten Flughafen des Abfluglandes zum größten Flughafen des Ziellandes gemessen - oder besser - als Berechnungsgrundlage genutzt.

Obwohl man von Hamburg nach Fuerteventura fliegt, zahlt man die Luftverkehrsteuer nur von Frankfurt nach Madrid. Fliegt man jedoch von München nach besagtem Hurghada, ist die tatsächliche Strecke - und damit der Gesamtschadstoffausstoss zwar geringer, man wird jedoch mit 25,00 Euro deutlich grosszügiger zur Kasse gebeten.

Ein Flug von Frankfurt nach Montreal (ca. 5.900 km) kostet anstelle von 25,00 Euro gleich mal 45,00 Euro, da der größte Flughafen Kanadas in Toronto zu finden ist, 500 km weiter. Immerhin kostet der Flug damit genauso viel, wie die Reise nach Vancouver und das sind immerhin gute 8.100 km.

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Billig weg kommt man aber wohl, wenn man direkt von Frankfurt in das französische Überseedepartement Französisch-Guyana fliegt - gute 7.300 km für schlappe 8,00 Euro - zumindest rein theoretisch, denn die Liste der Länder schweigt sich in diesem Fall aus - Französisch Guyana ist aber Teil der EU und damit gilt auch der Steuersatz für Flüge innerhalb der EU.

Schade, dass man sich nicht für eine Art Kilometerpauschale von z.B. 1/4 Cent (0,0025 Euro) entschieden hat, das wäre gerechter gewesen. Steuern und deren Gerechtigkeit liegen jedoch meist im Auge des Zahlenden und in der Sichtweise des Kassierenden weit auseinander.

Brillant ist natürlich die Argumentationskette der Bundesregierung, die damit den eigenen Kopf aus der Schlinge zieht und quasi den fliegenden Kunden den schwarzen Peter zuschiebt, falls es irgendwie doch nicht funktionieren sollte, was man sich da so ausgedacht hat:

1. Die Luftverkehrsteuer ist eine Steuer für Luftfahrtgesellschaften.

2. Dadurch schafft man einen Anreiz für umweltgerechtes verhalten im Flugverkehr.

3. Man geht davon aus, daß die Luftfahrtgesellschaften die Steuer an die Passagiere weitergeben.

Das kann man auch so auslegen, daß die Passagiere den Airlines die umweltfreundlicheren Flugzeuge bezahlen, für deren geringeren Schadstoffemission sich die Bundesregierung dann feiern lässt.

Es ist also eigentlich wie immer - zahlen und fröhlich sein, dabei nett winken, während die anderen sich ob Ihrer Großtaten feiern.

Für Sparfüchse gibt es allerdings einen Weg, die Luftverkehrsteuer zu umgehen. Man verschickt sich selbst als Paket in den Urlaub - Luftfrachtverkehr ist von der Steuer ausgenommen, der ist ja preislich soooo sensibel.

Nur um es vorsichtshalber klar zu stellen: Finde ich eine Luftverkehrsteuer sinnvoll? Ja - wenn auch nicht in der jetzigen Art und Weise! Sind in diesem Beitrag Ironie, Sarkasmus und Polemik zu finden? Ja, natürlich aber nicht nur!


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